Fototipps - Es ist nicht alles Gold was glänzt. ( Stand 2006 )


Wie im richtigen Leben ist alles Gute nicht immer beisammen, auch nicht in der digitalen Fotografie. Es gibt neben den vielen Vorteilen gegenüber der analogen Fotografie auch einige Nachteile und Besonderheiten. Ich möchte hier einmal an Hand einer +/- Liste die Unterschiede aus meiner Erfahrung im Kleinbildbereich aufzeigen. So kann jeder für sich werten, welche Rolle meine Einschätzung für ihn selbst spielt, um sich für die richtige Kamera zu entscheiden. Bestimmte Grenzen erkennen Sie daran, dass zum Beispiel Bilder für Kalender oder Bildbände hauptsächlich von Mittelformat-Dia angefertigt werden (6x6 cm). Ein digitales Kamerarückteil mit einem Chip 4x4 cm kostet rund 10.000 Euro und mehr !!!! Da bleiben viele bei alt bewährtem Rollfilm. Allerdings kann man auch Großdias nachträglich digitalisieren. Ich habe davon schon Dateien von über 100 MB je Bild gesehen.

+ Digitale Fotografie ist schnell. Man kann während der Arbeit die Bilder kontrollieren und bei Bedarf Belichtung, Ausschnitt, Weißabgleich (Abstimmung auf die vorhandene Lichtfarbe) usw. verändern. Ausschuß wird gleich gelöscht.
+ Man kann bei Bedarf die Lichtempfindlichkeit von Bild zu Bild verstellen. Beim Kleinbildfilm muß man den Filmwechsel abwarten.
- Digitale Fototechnik ist meist teurer als analoge.
+ Den hohen Beschaffungskosten für Kamera, Ersatzspeicher und Ersatzakku stehen niedrige Betriebskosten gegenüber, denn diese Kosten fallen nur einmal an.
- Die Gefahr, auf ein Billigangebot hereinzufallen ist höher. Preiswerte Kameras haben oft nicht die echte Auflösung, die draufsteht. Bei solchen Kameras werden die Pixel hoch- oder schön gerechnet. Man erkennt es daran, dass bei hoher Vergrößerung keine Pixel, sondern nur noch ein "Farbbrei" zu sehen ist.
- Wer sich ernsthaft mit der digitalen Fotografie beschäftigt, benötigt einen guten PC mit großer Festplatte, CD- oder DVD-Brenner, Scanner, Fotodrucker, Bildbearbeitungsprogramm und viel Zeit, Übung und Erfahrung.
+ Man kann alle Bilder bearbeiten, korrigieren, beschriften, verschönern, kurz gesagt, man kann mogeln, dass sich die Balken biegen.
+ Besonders wertvoll ist die Digitaltechnik für die Restaurierung alter, beschädigter oder verblichener Bilder. Es gibt kein besseres Verfahren, um hier noch etwas herauszuholen oder zu retten.
+ Zu allen Bildern werden Bilddaten gespeichert werden z.B. Datum, Uhrzeit, Brennweite, Auflösung, Objektiv usw.
- Ohne Strom geht nichts. Kann man sich analog mit einer rein mechanischen Kamera behelfen, geht digital nichts mehr, wenn der Akku leer oder der einzige Chip voll ist.
- Fotodrucker mit Tinte bringen keine langlebigen und lichtechten Bilder hervor. Sie sind zudem störanfällig. Jeder einzelne Farb- oder Düsenausfall produziert teuren Müll. Nur neue Fotodrucker , die im Bildformat A4, A3 und größer arbeiten, verwenden Pigmentierte Tinten und versprechen eine Haltbarkeit von 75-100 Jahren. Aber auch hier wird man nur glücklich werden, wenn man viele Bilder zu drucken hat. Bei wenig Bedarf wird sich bald der übiche Ärger der Tintendrucker einstellen . Wer nur gelegentlich ein großes Bild benötigt, fährt besser, den Auftrag einem Großlabor zu übergeben.
+ Dauerhafte Bilder liefert das Großlabor im fotochemischen Verfahren, aber auch echte Fotodrucker im Thermosublimations- oder Thermoautochrom- Verfahren in durchschnittlich 2 Minuten je Bild.
- Die Thermodrucker lohnen sich durch hohe Anschaffungs- und Materiealkosten nicht für Hobbyfotografen.
+ Die Großlabore haben sich auf die Entwicklung digitaler Bilder gut eingestellt und bieten sie zu günstigen Preisen bei 2-3 Tagen Lieferzeit an.
+ Wer keine Annahmestelle für Fotos in der Nähe hat, kann sie auch per Internet an ein Labor senden. Man sollte aber einen leistungsfähigen und schnellen Internetanschluß haben, sonst blockiert man lange sein Telefon und zahlt mehr Gebühren.
+ Man braucht nur die Bilder entwickeln/ausdrucken, die man haben möchte. Ebenso kann man sofort den Ausschnitt eines Fotos vergrößern. Alles andere bleibt auf dem Speicher, der Festplatte oder der CD-ROM
- Gedruckte Bilder erreichen oft nicht die Qualität von traditionellen Fotos. Das Verfahren vom Film zum Bild erbringt ausgewogenere Farbbilder. Besonders in Extremsituationen, bei grellem Licht ist ein Bild über Film präziser.
- Wertvolle Bilder sollten gleich auf unterschiedlichen Medien gespeichert werden. Entsteht ein Schaden am PC, an der Software oder ähnlichem, sind dann alle Bilddateien vernichtet oder gelöscht. Es sind halt nur latente Bilden, die nur mit entsprechender Technik sichtbar gemacht werden können. Geeignet sind besonders CD-ROM, DVD-ROM und separate Festplatten mit hoher Kapazität.
+ Digital fotografiert man einfach mehr. Kostet ja nichts extra. Das ist eine wichtige Motivation. Wenn man dann noch keinen Mangel an Speichermöglichkeiten hat, kann man eher drei Bilder mehr machen, als eins zu wenig und man macht vielleicht auch einmal Bilder, bei denen man sonst nicht auf den Auslöser gedrückt hat, weil man im gleichen Moment noch nicht wußte, wofür. Das "wofür" kann man sich jetzt auch einmal später überlegen.
- Heute ist noch nicht erwiesen, ob Bilddateien von heute in 20 Jahren noch von der selbstgebrannten CD lesbar sind. Beim Film weiß man, dass er mehr als 150 Jahre hält. + Zusatz: Seit Dezember 2006 gibt es von Kodak die goldene Presevations-Disc als CD-ROM und DVD. Versprochene Datensicherheit - 300 Jahre !
- Ein großes Problem gibt es bei den teuren Spiegelreflexkameras. Durch die Möglichkeit des Objektivwechsels kann Staub in die Kamera gelangen, der durch die Spiegel- und Verschlußbewegung aufgewirbelt wird und zu guter letzt auf dem Bildsensor landet. Die Partikel sind meist zu klein und für das Auge unsichtbar. Erst bei der Betrachtung auf dem Bildschirm sieht man den Schmutz und der ist dann auf jedem Bild an der gleichen Stelle. Man muss die Kamera in Abständen zur Reinigung an den Kameraservice schicken, was in der Regel 2 Wochen dauert und etwa 25-35 Euro kostet. Von Selbstversuchen rate ich ab. Ein neuer Sensor für die Nikon kostet rund 1000 Euro ohne Montage. Meinen Selbstversuch braucht niemand nachmachen. Seitdem habe ich die Sony DSC F828 als Zweitkamera mit einem geschlossenen System. Bisher hat nur die Spitzenkamera von Olympus ein Selbstreinigungssystem per Ultrschall. Für mich ist dieses Manko das größte Problem der digitalen Fotografie. Besonders enttäuscht bin ich von den Herstellern, die einige Tausend Euro für ein Kameragehäuse haben möchten, das Problem des verschmutzten Sensors aber völlig weggedrückt haben. ( siehe Tipp 6)
+ Am deutlichsten kann ich den Unterschied analog-digital am einem Beispiel darlegen. Vor 4 Jahren (2002) mußte ich 4 Tage vor Weihnachten meinen Kunden sagen, dass wir zwar die Fotos machen können , aber eine Vergrößerung auf A4 bis zum Fest nicht mehr fertig wird. Heute kann der Kunde heilig Abend noch um 11.45 Uhr kommen und der geht mit seinem Foto A4 um 12.00 Uhr aus meinem Geschäft heraus. Das geht nur digital und das ist ein echter Vorteil. Der Kunde nimmt nur das Bild, das er haben will und mit dem verläßt er auch noch nach einer überschaubaren Wartezeit den Laden. Nicht ist wertvoller als ein zufriedener Kunde.
+ Im Urlaub haben Speicherchips einen entscheidenden Vorteil. Abhängig von der Sorte sind sie meist robust, unempfindlich gegen höhere Temperaturen und gegen Strahlung bei der Kontrolle am Flughafen. Man braucht keine Filmentwicklung im Ausland, ein Filmwechsel fällt weg und bei genügend Speicherkapazität kann man den ganzen Urlaub problemlos abspeichern, wenn man genügend Chips , den PC oder einen mobilen Datenspeicher mitführt.
   

Die Aufstellung ist natürlich nicht vollständig. Jedem Einzelnen wird das eine oder andere noch einfallen, worüber er freudig entzückt oder verärgert war. Das liegt auch manchmal an einer ganz bestimmten Kamera, einem ganz bestimmten Computerprogramm oder einer einzelnen Serviceleistung. Ich denke aber, das wesentliche Punkte genannt sind. Aber auch hier gilt - nichts gibt es umsonst und wer billig kauft, kauft meist doppelt. Es ist also wichtig, eine Entscheidung, die mehrere Jahre Bestand haben soll, durch Marktinformation (Fachzeitschriften) und Bestimmen der eigenen Ansprüche auf das vorhandene Angebot abzustimmen. So findet jeder die Kamera, die zu ihm und zu seinen Bedürfnissen passt und im Zweifel kennen Sie sicher den einen oder anderen Fachmann oder Fachhändler, auf den Sie sich mit gutem Gewissen verlassen können. In dem Sinne wünsche ich Ihnen immer "Gut Licht" und viel Spaß an der Fotografie, analog wie digital..


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