Die Hasselblad für den "Ossi"

Im ersten Moment mag diese Überschrift unglaubwürdig klingen, sie ist es aber nicht. Wer sich mit Fotografie beschäftigt weis, dass die Hasselblad das "Hohe C" der Mittelformatfotografie ist. Sie ist das Maß aller Dinge im Format 6x6. Neben ihr gibt es nur noch Rollei und Mamiya als ernsthafte Mtbewerber. Sie ist noch richtiges Handwerkszeug mit toller Mechanik, die natürlich heute der aktuellen Entwicklung folgend mit Winder, mit elektronischer Steuerung und zusätzlich zum Film auch mit digitalem Rückteil lieferbar ist. Seit kurzem gibt es auch eine Ausführung mit Autofocus und neuem Design. Das alles ändert aber nichts daran, dass eine Mittelformatkamera keine ausgesprochene Reportage- oder Sportkamera ist. Sie bleibt trotzdem schwer, allerdings mit einem großen Sucher und in dem Format muß man den Film öfter wechseln,als in anderen Formaten. Die Hasselblad hat natürlich auch ihren Preis und der Preis selktiert genau so wie beim Porsche - der Porsche ist mehr zum angeben, mit der Hasselblad muß man sein Geld verdienen können. Also kann sich nur einer die Technik leisten, der für seine Fotos Abnehmer und Auftraggeber hat. Allein der sehr gute Original-Tragegurt kostete bei meinem Kauf rund 100 DM. Den empfehle ich für die BIG-Six. Der Originalgurt ist dagenen ein Witz.

Die Firma "Brenner" Fotoversand ist in Deutschland Importeur von russischer Fototechnik und Zubehör. In ihrem Angebot befindet sich die Kiew b.i.g. six. Die täuschende Ähnlichkeit mit der Hasselblad 500 ist nicht zu übersehen. Sie wurde in den 60iger Jahren produziert. In der DDR gab es in der Zeit die Primaflex, ein 6x6 Würfel ohne Wechselkassetten. Auf Grund des zeilichen Abstandes zu heute und der Weiterentwicklung der Hasselblad gehe ich davon aus, dass Hasselblad für die "500" die Lizens nach Kiew ( jetzt Ukraine) verkauft hat, die sie dann als Saljut, Zenit 80 und Kiew 88 herstellten. Auf Grund einiger größerer Tolleranzen und einigen Ungenauigkeiten, Montagsproduktion und Auswirkungen der "russischen Mentalität" am Arbeitsplatz gab es mit der Kamera immer wieder Probleme, die auf unzureichende Qualitätssicherung zurückzuführen waren. Daher wurde sie auch nie in die DDR eingeführt, vielleicht auch aus anderen Gründen nicht. Diese Kamera ist nun verbessert worden, so dass es den in Eurpoa üblichen Qualitätsansprüchen gerecht wird. Sie sieht noch genau so wie die Hasselblad 500 aus, besitzt als Verschluß statt Stoff- ein Stahlrollo und sie hat den Objektivanschluß der Pentacon Six. Sie wird komplett geliefert mit Kamera, 2 Filmkassetten für den Film 120, einem 2,8/80 mm Standartobjektiv, Filtern , Lichtschacht, TTL- Prisma, Gurt und Tasche. Das zu einem Preis von ca.15% einer heutigen Hasselblad in der Grundausstattung. Der entscheidene Vorteil für den "Ossi" und deshalb meine Überschrift liegt im Objektivanschluß der Pentacon Six. Wer also früher schon einmal im Mittelformat fotografiert hat, kann an der BIG six alle vorhandenen Objektive weiternutzen. Es passt alles - das 50, 80, 120, 180, 300 und 500 mm Objektiv, Zwischenringe, Balgengerät u.s.w.. Im Gegenzug kann man das 30 mm Objektiv, Arsat 1:3,5 ,das zur BIG six mit angeboten wird an der Pentacon Six nutzen. Äußerst praktisch. Auch dieses Objektiv gibt es zum Preis von ca 10% vom Original der Hasselblad. An der Qualität gibt es nicht auszusetzen. Am Gewicht des Fisheye spürt man, dass die Hauptbestandteile Metall und Glas sind. Für die Farb- und SW-Fotografie sind 3 Filter im Lieferumfang, die von hinten auf das Objektiv gesteckt werden. Die Kamera belichtet von B, 1/2 Sekunde bis zur 1/1000 Sekunde. Blitzsynchronisation ab 1/30 Sekunde und länger. Bei kürzeren Belichtungszeiten wird der Blitz gar nicht ausgelöst. Die Kamera hat einen Blitzschuh mit Mittelkontakt und einen Blitzkabelanschluß. Der Hersteller wirbt damit, dass die Zusatzteile zur Kamera wie das TTL-Prisma und der Lichtschacht an der Hasselblad passen. Die Kamera hat eine gute Fressnellinse mit Meßkeil. Bei den neuen Ausführungen gibt es generell die Spiegelvorauslösung und die Transportschraube mit Kurbel. 2 kleine Nachbesserungen muß man noch vornehmen, zumindest war es bei mir so, als ich die Kamera kaufte. Die Kassetten haben nicht ganz lichtdicht angelegen. Es gab bei jeder Kassette einen kleinen Lichteinfall. Dem kann man abhelfen, indem ein kleiner Vliesstreifen in die Vertiefung des Kameragehäuses einklebt. Als Material empfielt sich Vlies von CD Registertaschen oder man opfert eine 3 1/2 Zoll Diskette. Das Vliesmaterial wird mit einem schwarzen Eddinger-Stift eingefärbt , nach dem Trocknen in ca 5 mm breite Streifen geschnitten und mit einen guten Kontakt-Kleber eingeklebt, ohne dass der Kleber den Stoff durchtränkt. Alles sitzt und die Kassetten liegen nun lichtdicht an.

Eine 2. Ergänzung ist ratsam. Es gibt im Fachhandel selbstklebende Rahmen für die Hasselblad, die von hinten auf jede Filmkassette aufgeklebt werden und den Metallschieber der Filmkassette aufnehmen, wenn die Kassette mit der Kamera verbunden ist. Neue Modelle haben so einen Einschub generell, bei den alten Modellen hat man daran noch nicht gedacht. Der Rahmen passt genau auf die Filmassette, was noch einmal den Ursprung "Hasselblad" unterstreicht. Sie schwirrt sonst irgendwo in einer Tasche umher und wenn man sie braucht, findet man sie nicht gleich.

Übrigens gibt es vom gleichen Hersteller noch andere interessante Zubehörteile. Den "Brenner"-Katalog gibt es im Zeitschriftenhandel, Sonderangebote als Beilage gelegentlich in der Fotopresse und wer einmal bestellt hat, bekommt den Katalog 4 mal im Jahr zugeschickt. Er gibt auch eine gute und aktuelle Martübersicht.

Der Service erfolgt auch über Brenner. Allerdings ist eine Reparatur zeitlich nicht berechenbar, weil in unregelmäßigen Abständen ein Mechaniker aus der Ukraine kommt und angefallene Reparaturen vornimmt. Ich habe meine Kamera durch einen Bedienfehler beschädigt. Es dauert noch eine Weile, bis ich sie wieder habe.Die Kamera habe ich im Januar eingeschickt, im Juni war noch kein Reparaturtermin bekannt. Der Mechaniker hat noch kein Visum. Man wird dadurch gelassener !( in meinem Fall 11 Monate. Kurz vor Weihnachte hatte ich sie wieder -eine Weihnachtsfreude zusätzlich ! ) Alternativ habe ich ja noch die Mamiya 645 und die Pentacon Six.

Eine Warnung möchte ich hier noch aussprechen. Wer im digitalen Zeitalter mit dem Mittelformat beginnt, weitermacht oder überhaut damit arbeitet wird von den Dias im Mittelformat beeindruckt sein. Deshalb Vorsicht ! Mittelformat macht süchtig !!


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